Die 10er Jahre? Die zwei ersten Jahre davon sind ja bereits herum, allerdings programmatische Jahre und wer bis jetzt die Augen offen behielt, konnte Wesentliches bereits erkennen.
Die 10er Jahre werden konsequenter als je zu vor Jahre der Massenmedien werden. Akteure aller Art werden ganz selbstverständlich Dienstleistungen von Massenmedien kaufen und für ihre Interessen nutzen, sogar zu diesem Zwecke mit den Medien verschmelzen, um damit in der Öffentlichkeit bestimmte Stimmungen zu erzielen und Vorgänge ganz gleich welcher Art anzustossen. Alles wird künftig so laufen. Die aktive Demontage des deutschen Bundespräsidenten und Installation eines neuen innerhalb weniger Wochen, Tage und Stunden haben eindrücklich vor Augen geführt, wie effektiv dieses Verfahren beispielsweise in Personalfragen künftig sein wird: Die öffentliche Meinung wird einfach darüber entscheiden, ganz egal, ob nun überhaupt eine Entscheidung ansteht oder nicht. Ein Skandal ist allemal mächtiger als irgendwelche Formfragen. Der "Präsident der Herzen" steht bereits fest, noch vor Amtsantritt. Er wird einfach ausgerufen und ist allein damit bereits unanfechtbar. Das Design der öffentlichen Meinung wird ein industrieller Wirtschaftszweig werden, wie etwa der Tourismus, es wird Anbieter und Kunden geben, d.h. einen Markt, auf diesem Preise, Renner, Ladenhüter ...
Man erschrickt heute noch bei dem Wort Postdemokratie, denn es ist ein böses Wort, eins, das dasjenige benennt, was es gar nicht geben darf, weil es von klugen Demokraten als undenkbar definiert wurde (solchen übrigens, die selbst aktiv an der Beseitigung einstiger demokratischer Kultur mitgewirkt haben ...) Wir werden so ein Wort hingegen in ein paar Jahren ganz normal finden. Man wird eines Tages ganz offiziell und aufatmend die Überwindung einstiger, inzwischen muffig gewordener Demokratie konstatieren, vom Modernen, von Fortschritt und Erneuerung reden, ewig Gestrige benennen usw. Was wir beispielsweise aktuell in Finanz- und Energiefragen, aber auch hinsichtlich der Beteiligung an militärischen Konflikten erleben, hat immer öfter den Charakter von Geheimabsprachen und -entscheidungen. Diskussion ja, möglicherweise sogar mit der Opposition, aber nicht öffentlich. Bloss keine Unruhe, das wäre schlecht für die Märkte! Und nicht, dass da vielleicht noch irgendein Querkopf Fragen stellt! — Das ist neu und hat etwas Feudales. Es geht über bisher praktizierte, vor allem parlamentarische Prinzipien hinaus. Die gesamte europäische "Griechenland"-Politik funktioniert bereits weitgehend nach diesem Prinzip: Politik hinter verschlossenen Türen für dann durchaus auch intransparente Interessen. Die Erfahrungen, die man heute damit sammelt, werden möglicherweise eine neue politische Kultur bilden, möglicherweise auch als Reaktion auf den längst in gang befindlichen Zerfall politischer Landschaften und Lager, die jahrzehntelang Bestand hatten und klar erkennbar waren. (Und ja, es wird auch Gegenbewegungen geben ...)
Dienstag, 21. Februar 2012
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4 Kommentar(e):
Auch die "Politik" in Sachen ACTA funktioniert ja offenbar so: Lobbys treffen sich hinter verschlossenen Türen und legen dann still und heimlich den Regierungen zur Unterzeichnung vor, was sie ausgeheckt haben.
"Sonst stellt da noch irgendein Querkopf Fragen." -> So kommt mir das auch vor.
Oder Merkels Geheimabsprachen mit der Atomindustrie (bevor erstere sich wendente ...)
Insofern sind wir ja doch noch gut dran! Wir haben Kenntnis von Geheimabsprachen. Erst wenn's welche gibt, von denen wir nichts wissen, müssen wir uns Sorgen machen. Was uns dann aber erspart bleibt, weil wir es ja nicht wissen. Das Leben ist schön! :)
Drum sag ich ja, immer wenn's so still wird, wird es auch verdächtig ...
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